Philip Catherine – New Folks

Alte neue Meister

Heimlich still und leise – kauft man sich die neue Philip Catherine (71), hört sie sich zweimal an, stellt sie in den Schrank und da verstaubt sie dann – das wäre die eine Geschichte. Die andere: Man sucht sich schusselig nach Musik, die einem über die Kopfhörer rieselt, ohne dass sie klingt, als hätte man sie nun schon wieder zum vierhundertsten Mal gehört – wer diese Geschichte mit Erfolg zuende erzählt bekommt, hat wahrscheinlich einen Jahrhundertmusiker entdeckt. Also stolpert man durch Zufall über altbekannte Namen, einen Philip Catherine, der nun tatsächlich schon ein halbes Jahrhundert Gitarre spielt, und dabei so einige Spuren hinterlassen hat – wer erinnert sich noch an die Fusion-Zeit mit Jean-Luc Ponty, wer an seine Platte mit Alphonso Mouzon, oder wer an das Konzert mit Pieranunzi – so breit aufgestellt – vom elektronisch übersteuerten bis zum vor sich hinfingernden fast schon Folklore spielenden Akustiker – alles Schnee von Gestern? Jetzt wird sich mal hingesetzt und das alles abgefragt. Wenn wir uns schon besinnen, bitte:

Wir holen uns einen Bassisten, Martin Wind (41), von dem man weiß, dass er mit so Leuten wie Monty Alexander, Pat Metheny, Clark Terry, Toots Thielemans, Buddy DeFranco, Michael Brecker, Randy Brecker, Curtis Fuller, Phil Woods, Johnny Griffin, Mike Stern, John Scofield zusammen gespielt hat. Und? Hat die Geschichte eine Fortsetzung? Oh ja. Sie kann man nun hören auf knapp 60 Minuten geteilt durch 12 Stücke. Eingängig, leichtfüßig, virtuos. Das ist keine Revolution – nein, dazu hat man sich nicht zusammengefunden – bitte. Das kann man auch nicht erwarten, wo wir all der Revolutionen müde sind – uns aus all den Sackgassen wieder rückwärts raus bewegen, und dem Publikum „nur“ eine handwerklich beschwingte und teilweise sehr spielfreudige Nachricht vermitteln wollen. Erstens Leute: unsere Instrumente sind uns nicht fremd. Und zweitens Leute: Wir machen Kammermusik auf höchster Stufe – das heißt eben auch: Volumen was swingt ohne Staub, und drittens: wer schon immer hören wollte, was er sowieso schon gehört hat, aber noch nicht in der Form zu spielen vermochte, bitte: seid so nett und redet drüber: diese Platte muss man nicht verstecken oder heimlich kaufen, schon gar nicht wegstellen – eine Aufnahme, die sich eine kultivierte Unterhaltung auf zwei akustischen Instrumenten erlaubt – und die fast sechzig Minuten – es darf auch die Elektrische sein, im akustischen Auftrag sozusagen – schon vorbei. Bitte nochmal.

Ergänzung: Da ich sie auf meinem Handy durch die Stadt trage, taucht immer mal wieder eins der Stücke in meiner Longplay-List auf – und jedesmal denke ich. hoppla, das ist wirklich gut. Auch für unterwegs. Dank an die Musiker!

 

Label: ACT, Januar 2014
Personal: Philip Catherine + Martin Wind

 

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