Julia Kadel – Leise Schritte

Musik (Jazz) besprechen und empfehlen ist eine mehrschneidige Sache. Was mir gefällt. Was anderen gefällt. Was ich höre, was ich sehe, was gespielt wird, und was gesagt wird – selten kommt all das zusammen. Wie ist es nun mit dieser Platte? Die Promotion spricht vom Sprung auf die internationale Bühne. Nachdem Julia Kadel ein Geheimtipp war oder noch immer ist? Richtig ist: Blue Note Records ist keine kleine Adresse – richtig ist auch: die Weltbühne will trotzdem erst in meinem Gehör Platz finden – aber jetzt, nachdem die Platte einige Male mein Ohr passiert hat, kann ich sagen:

Es ergeben sich Räume, Geschichten, Erzähltes, Geometrie – auch trocken erzählt, dann wieder weich, dann wieder stumpf, wie gegen eine Holzschale – der Hall des Klaviers im Zusammenspiel mit gestrichenem Bass in „Die Behauptung“ oder in „Vorbei“, es ist dies ein herausragendes Zusammenspiel, ein wunderbares Neben- und Miteinander, große und ausgereifte Musiker hören vor allem sehr gut aufeinander – ohne das ist so eine Abstimmung nicht möglich. Ich spüre auch: Sie haben ihr „eigenes Ding“ gefunden – die eigene Sprache. Nehmen wir die Titel –

Alles wollen, leise Schritte,
Tropfen, innendrin,
Zweifünfzig, die Behauptung
Fragen – (die) – nicht bleiben
am Regentag.

Wo Klavier Schlagzeug und Bass sich umeinander winden, in jedem Stück ist ein „Vorwärts“, ein „Nicht bleiben“, allein was Steffen Roth am Schlagzeug und Kalle Enkelman am Bass zusammenspielen – ist: – Im Vertrauen – innendrin. Julia Kadel sagt im Interview, zu sehen auf dem offiziellen Promotion-Tape:

„Wir haben es gespielt und Hautsache die Leute empfinden dabei was, und es bedeutet für sie was. Das ist wie ein Geschenk. Wir haben es fertig eingepackt, zugeschnürt und dann muss man ein bisschen was dafür bezahlen … und dann: gehört‘s einem.“

Absolut: Ein schönes Geschenk hat dieses Trio zusammengeschnürt. Am Ende all der Worte kann nur stehen: Mit den besten Empfehlungen. Ein sehr überzeugendes Album. Auch für diese Scheibe gilt: Sie wird ihren Weg finden, abseits des Weltbühnenspektakels gehört sie für mich, wieder rein subjektiv, zu den Jazzplatten des Jahres 2014.

Vielen Dank dafür!

Julia Kadel (klavier), Kalle Enkelmann (bass), Steffen Roth (drums)

 

Advertisements