Stefano Bollani – Joy inspite of everything

Label ECM/Universal Cover Art: Sasche Kleis (Design), Paolo Soriani (Fotografie)

Um es gleich zu sagen. Man kann schreiben, was man will über diese Platte, sie in Einzelteilen zu interpretieren versuchen, sie im Aufbau analysieren, sich über den Titel Ismene wundern, ich komme zu keinem anderen Ergebnis: Worte kommen gegen diese Jungs nicht an. Vielleicht ist: „Easy Healing“ noch zu leicht und zu lang und zu verspielt – denn man kennt ja anfänglich die Platte noch nicht und will natürlich wissen, was einen noch erwartet. Ja, da kommt der Pabst, ohne den keine Party möglich ist, und wie. „No Pope No Party.“ Ein fettes Stück – getrieben von Bass, Schlagzeug und Klavier – erst geht Mark Turner mit seinem Saxophon … bis Bill Frisell der anfänglichen Getriebenheit die Vorfahrt nimmt – und nun seinerseits getrieben wird – sich steigert – Bollani bleibt wunderbar zurückhaltend … bis das Stück aufs Klavier übergeht und wieder Fahrt aufnimmt – ein achtminütiges Erlebnis, um es mal so nüchtern wie möglich auszudrücken.

In „Alobar e Kudra“ kommt dann das, was ich an Bollani besonders mag: Linien, Melodien, hier spürt man Dichte, kompositorisch wie emotional – wie auf gedämpften Sohlen – treibend folgt eine feine Melodie der nächsten, Oktavwanderungen folgen auf Bassgrummeln – viele Songs im Song – schön und intensiv.

Eine sehr dichte Stimmung und Atmosphäre – mit Blick aufs Cover: Diese Musik hat im Vergleich zu Eruption und Explosion – einen Vorteil: den akustischen Raum, in dem die Aufenthaltsqualität zu- und nicht abnimmt. Die beiden kleinen Figuren im Vordergrund, dort hinten die Explosion – sie schauen entsetzt, eingeschüchtert, sich tröstend, hin. In spite of … gibt Stefano Bollano dagegen, wie es im Klappentext heißt, sein „lyrisch verlockendstes Statement“ ab.

Großartig!

Stefano Bollani: Piano; Mark Turner: Tenor Saxophone; Bill Frisell: Guitar; Jesper Bodilsen: Double-bass; Morten Lund: Drums.

 

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