Cecile McLorin – Womanchild

Um es vorweg zu nehmen: Eine der schönsten Jazz-Vokalplatten der letzten Jahre, die mir untergekommen ist. Hier singt ein großes Talent, und doch hat man das Gefühl, es wird nicht richtig gewürdigt. Wie so oft in der letzten Zeit. Wir, die Konsumenten, Zuhörer, die Musiker und Rezipienten auf allen Ebenen mehr oder weniger „verbaut“ sind, es in allen Schränken von „Originalen“ nur so wimmelt. Nun. Ich glaube, hier ist ein weiteres – Original! Ich höre Reminiszenzen an Billy Holiday, ich höre Bluesiges, gleich im ersten Stück, sie singt, ein James Chirillo an der Gitarre begleitet sie. Drei Minuten, die dir ein leichtes Rieseln schenken – es swingt klassisch im Jazzstandard „I Didn’t Know What Time It Was“. Das lebt von ihrer eigenartigen Art, Töne ineinander zu singen – gefolgt von einer Art Sprechgesang in „Nobody“. Da geht es weit zurück in den Ragtime – Pianist Aaron Diehl zeigt schon mal, dass noch mit ihm zu rechnen ist. – Das Banjo allein – jaja – schon ist mit „Womanchild“ der nächste Klassiker dran. Das geht gleich mal in verdichtete und kraftvollere Sprache über – hier zeigen sie, und zwar alle, dass sie ihr Handwerk auch in den Übergängen zwischen hartem Anschlag und weichem Swing umzusetzen wissen.

Nun heißt es bei allaboutjazz, dass zwei Stücke ein bisschen aus dem Rahmen fallen, weil zu lang – „… Savage in Me“ und „What a little Moonlight …“ – mit anderen Worten: das ist schon Kaffeesatzleserei, an der ich mich nicht beteiligen will – sollte man etwa das Schlagzeug rausschneiden? – nein. Oder im mehr als 8 minütigen Moonlight „Can Do …“ das könnte ebensogut ein Livemitschnitt sein, und so viel Geduld darf sein. Denn wenn ich mich nur ein bisschen hinein denke, werde ich spüren, dass das Live wahrscheinlich total unter die Haut geht. (By the way: ich möchte den Kritiker sehen, der das Klavier so rauf und runter spaziert wie Aaron Diehl in dem Stück.)

Cécile McLorin Salvant : Gesang, Klavier (10); Aaron Diehl: Klavier; Rodney Whitaker: Kontrabass ; Herlin Riley: Schlagzeug; James Chirillo: Gitarre , Banjo (1, 8).

Sie tourt im Januar durch Franreich.

 

 

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