Kenny Wheeler – Songs For Quintett

kenny wheeler
Fotini Potamia: Cover Photo; Sascha Kleis: Design ; Caroline Forbes Photography

 

 

Kenny Wheeler, ein Urgestein der letzten Jazzjahrzehnte – geboren 1930 in Ontario, Canada, verstorben letztes Jahr 2014 in London. Die vorliegende Aufnahme muss die sein, von der es bei Echo anlässlich seines Todes heißt, dass er sie, sichtlich geschwächt, Weihnachten 2013 aufgenommen hat – und trotzdem bemüht war, kreative und bewegende Improvisationen auf seinem Flügelhorn vorzunehmen – dass sich Wheeler hier abmühte, kann man überhaupt nicht spüren oder hören – im Gegenteil. Sein Spiel ist leicht, flüssig, sauber phrasiert und wer Trompete oder Flügelhorn gespielt hat, weiß, dass das kein Mal-Eben-So-Instrument ist. Meinen tiefen Respekt vor dieser schlussendlichen und finalen Leistung!

Zur Aufnahme kann ich sagen: leichtfüßig, die meisten Stücke folgen einem Fließen und Schweben – Martin France am Schlagzeug und Chris Laurence am Bass haben daran nicht wenig Anteile. Und da auf den letzten ECM-Aufnahmen eine Vorliebe für das Voicing von Gitarren unüberhörbar ist, trägt sie auch hier zum Fluggefühl bei. Eine Aufnahme, die man sehr gut auch nebenbei laufen lassen kann – und Anbetracht der gesundheitlichen Schwierigkeiten Wheelers eine über die Maßen gelungene. Vor seinem Lebenswerk nun dieser ihn selbst krönende Abschluss.

Mehr will und kann ich nicht sagen – denn vorstellbar ist, dass bei 18 allein unter seinem Namen veröffentlichten Platten so manch einem der Sound Kenny Wheelers hinlänglich bekannt ist – trotzdem möchte ich nochmal an die Breite seines Spektrums erinnern. Ich kann in meiner Sammlung die „Jugendsünden“ unter dem United Jazz & Rock Ensemble erkennen, wo es noch teutonisch akkurat und voll durch-designed herging, oder an seine „etwas wildere“ oder „freiere“ Around 6 – ich sehe auch, dass die Song for Someone (1973) von Melody Maker zum Album des Jahres gewählt wurde, aber nur noch gegen Aufpreis zu haben ist.

Zum Schluss noch in Anlehnung an Peter Rüedi, der Wheeler den Untertreibungskünstler nennt, weil Wheeler offenbar nie ein großes Ding um seine Person machte, seine eigenen Soli nicht leiden konnte, und viel lieber nur komponiert hätte: Das (…) „verhält sich zum Engelschor wie ein Skizzenbuch zu einer Seelenlandschaft …“ (Rüedi) Was Wheeler mit seinen Songs for Quintett mehr als unterstrichen hat: hörbar in beinahe jedem der „Songs“ (mein persönlicher Favorit: Canter No.1, gleich gefolgt vom Tango Sly Eyes)

Eine schöne, ruhige und runde Aufnahme eines großen Musikers!

Kenny Wheeler: Flügelhorn; Stan Sulzman: Tenor Saxophon; John Parricelli: Gitarre; Chris Laurence: Bass; Martin France: Schlagzeug.

Label: ECM Records

http://player.ecmrecords.com/wheeler-2388

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