Melody Gardot – Currency of Man

melody gardot
Copyright © Decca / Universal Music

Das ist ein bisschen Jazz,ein bisschen Pop, ein bisschen Blues? Das ist von all dem ein bisschen, nur kein leichtes Spiel. Eine Mischung aus Zorn und Trauer, eine Produktion mit sehr viel Orchester, mit einer Stimme, die weiß, was sie macht, eine coole Stimme, eine warme Stimme, eine unaufdringlich große und auch ernste Stimme, die mich mitnimmt auf eine ruhige, melancholische und bildreiche Reise, die Aufnahme kannst du morgens mittags abends hören, du kannst sie nebenher hören, du kannst sie intensiv mithören, du kannst dich mitziehen lassen, du kannst abzuschweifen anfangen, ich kann mich auch fragen: wo ist der Bossa Nova Schwung von Absence – und kann mich dafür gleich mal etwas schämen, ich kleiner nimmer satter Konsument, der seine Wünsche und Bedürfnisse in alles hineinlegt, was ihm geschenkt wird. Denn diese Aufnahme ist ein Geschenk nicht mehr nicht weniger. Ich darf es annehmen als solches. Ich kann mich drauf einlassen, dann komme ich ihr vielleicht am nächsten. Obwohl sie das sicher nicht will, ihr zu nahe kommen.

Das konnte ich vor drei Jahren live erleben. Das ist nochmal eine andere Stufe. Wenn sie, wie damals in rot gekleidet wie eine Dietrich oder wie eine Operndiva oder wie eine Night-Life-Ikone auftritt … das war anlässlich der Absence Platte, und hat nicht mehr so viel zu tun mit dieser Aufnahme. Aber doch noch immer genug, dass unverkennbar bleibt, wer hier singt. Seit ihrem Debut Worrisome Heart sind nun einige Jahre ins Land, und sicher kann man ein erstes Fazit ziehen. Sie bleibt sich insofern treu, als sie jede Aufnahme für sich stehen lässt, jede ihrer Aufnahmen war bisher der Versuch, nicht still zu stehen, oder sich auszuruhen auf bisher Erreichtem, sondern etwas Neues zu versuchen, und dieses Neue in sich selbst zu begründen. Das ist ihr auch diesmal ausgezeichnet gelungen.

Nun macht eine Rezension im Sinne einer Melody Gardot, die längst eine eigene Marke ist, nicht wirklich Sinn, außer dass man im Verhältnis zu dieser Aufnahme in große Begeisterung ausbricht oder, sich selbst wichtiger nehmend, sie messen will an ihren Vorgänger-Alben, wenn da nicht das Gefühl wäre, dass hierzu nichts zu sagen, der Sache auch nicht gerecht wird. Sagen wir so: Wem die Vorgänger-Alben gefallen haben, wird auch hier Gefallen finden, um nicht zu sagen begeistert sein – wobei, angesichts der Themen, denen sie sich diesmal stellt, nachdenkliche Anteilnahme als Aussage richtiger ist. Und so ist ihr im Verhältnis zur Schwere der Themen eine sehr schöne Aufnahme gelungen, die ihrem eigenen Anspruch und ihrem Stil mehr als gerecht wird. Einmal gehört, gleich noch einmal von Anfang an. Eine Aufnahme, die für mich zu einem persönlichen Highlight 2015 wird!

Da gibt es noch einen, der hier nicht unerwähnt blieben darf, das ist Produzent und Arrangeur Larry Klein, ein weiterer Garant für stimmiges und gutes Handwerk, für eine Musik, die man nicht in die Schublade kriegt, in keine Jazz-, in keine Blues- und in keine Pop-Lade – da ist einfach zuviel Qualität pro Song, sodass am Ende nichts bleibt als meine Freude darüber, dass dieses Jahr eine große Aufnahme hervorgebracht hat, und ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich diese jedem und jeder empfehle, der oder die einen coolen Groove gepaart mit stoischer Ruhe bevorzugt. Hitverdächtig: Preacherman – wen es da nicht schaudert.

Clément Ducol Orchestration, Fans aus Facebook als Gospelchor, Producer Larry Klein

 

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