Jazzalben 2016 – nicht nur dazz

Es ist dieses Jahr schon wieder durch und einiges konnte sehr begeistern, und auch richtiggehend überraschen anderes macht eher beklommen – im Bereich Neuerscheinungen war es eher ungewöhnlich still, um nicht zu sagen unspektakulär?

Noch immer steht mein Kompass ungefähr hier: Neben Downbeat, allaboutjazz, jazzthing und JazzFm gibt es noch immer die Jazzclubs A-Trane, B-Flat und ZigZag Club, gefolgt von den Festivals Xjazz und Jazzfest Berlin – es fehlt noch die Institutiuon Jazz in der Berliner Philharmonie – hier der Link zum mutmaßlichen Verursacher Siggi Loch und seinem ACT-Label und schon ist das Jahr rum, man hat kaum geschlafen und irgendwie Kohle ranschaffen muss man auch, all das zu sehen und zu hören.

Es ist schnell ersichtlich, dass das Leben zu kurz ist, um all das zu erleben. Es gibt ja noch diese Jazzstudie und wer will, die großen Festivals in Europa, ich nenne nur NorthSea festival Rotterdam und Jazzaldia in San Sebastian und und und … klar doch Moers, Leverkusen Burghausen und … Die Radiostationen: vom WDR über SWR über Deutschlandradio Kultur bis NDR

nun endlich zu den Empfehlungen für das Jahr 2016, erstmal die der Profis:

The Telegraph The best Jazzalbums 2016

Observer the best Jazzalbums 2016

Jazzwisemagazin

Stereogum

Hier nun meine Empfehlungen, wie immer nur ein Auszug, ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle an Veröffentlichungen:

J.D Allen Americana

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Will Calhoun – Elvin Jones

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Nik Bärtsch –
siehe Besprechung

nik bärtsch Continuum

Gregory Privat

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David Helbrock – siehe Besprechung hier und hier

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Anat Fort Trio – Birdwatching

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David Bowie  – Blackstar – außer der Reihe. Ein bedeutender Musiker, keine Frage.

folderLook up here, I’m in Heaven

Avishai Cohen

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Matt Ridley

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Toma Sauter

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Scott Kinsey

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Matthew Halsall

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King Crimson – Radical Action To Unseat The Hold Of Monkey Mind [Live]

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Olivier Le Goas with Nir Felder

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Michel Benita River Silver

folderDas Jahr startete ECM  mit Ben Monder, mit Ches Smith und mit Michel Benita, einem aus Algerien stammenden Bassisten. Wieder sind wie schon beim Album von 2010 „Ethics“ Mieko Miyzaki, Matthieu Michel, Eivind Aarset und Philippe Garcia mit von der Partie. Nimmt man die 2010 erschienene Aufnahme zum Maßstab, wird gleich ohrenfällig, dass Eivind Aarset diesmal vergleichsweise ruhig und hintergründig bleibt, dafür aber Matthieu Michel weit nach vorn kommt – im Vergleich: die Aufnahme von 2010 ist, um einige elektronische Raffinessen angereichert, eher opulent. Wer es also kräftig will, kann sich bei der „alten“ Aufnahme nochmal umtun.

Diese hier besticht im Umkehrschluss durch Ruhe und Atmosphäre – auf ihr gibt es in meinen Ohren vier herausragende Stücke, in denen das Elektronische zurückgefahren scheint, sieht man davon ab, dass Aarset den Hintergrund mit seiner Gitarre füllt. Gleich in „Back from The Moon“ bringt er den Hintergrund zum Schwingen, vor dem sich Schlagzeug und Miyazakas Koto entfalten und das Flügelhorn von Matthieu Michel Klartext spielt – mit schöner Deutlichkeit und über einer einfachen und schönen Melodie – mit leichter Steigerung der Dynamik. In Steigerung von Spannung und Atmosphäre ähnlich das Stück „Off The Coast“ Aarset auch hier erstmal „nur“ den Hintergrund ausfüllt – Miyazaka und Benita mit Garcia am Schlagzeug den Puls vorgeben für den klaren Ton von Michel am Flügelhorn – in „Toonari“ ist es wieder Aarset der eröffnet – was mich persönlich fasziniert, ist das unmittelbare gegen oder miteinander Zupfen der Saiten von Koto und Gitarre – während Bass und Schlagzeug ganz entspannt den Puls treiben – über dem dann Michel wieder gestochene Schärfe freisetzt. Da ist in den Zwischenräumen viel Platz, sich gedanklich „dazwischen“ zu setzen. In der Art könnte ich das Stunde um Stunde mithören – schließlich  „Toonari Hacihi Gatsu“ – das ist das Gespräch zwischen Benita und Miyzaki – das kann man kaum kommentieren – mein persönlicher Liebling der Aufnahme – denn dass Bass und Koto so miteinander sprechen, höre ich in der Form zum ersten Mal : großartig!

Michel Benita Bass; Mieko Miyazaki Koto; Matthieu Michel Trompete, Flügelhorn; Eivind Aarset Gitarre, Electronics; Philippe Garcia Schlagzeug

Wolfgang Muthspiel – siehe Besprechung

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Emile Parisien Quintet with Joachim Kühn

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Logan Richardson

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Florian Favre Trio

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Oz Noy

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und schließlich außer der Reihe:

Jeff Buckley

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Ein Ausnahmemusiker, gerademal 30 Jahre alt geworden. Sohn des Singersongwriter Tim Buckley (der wiederum an einer Überdosis starb) – aufgewachsen bei seiner Mutter, der Pianistin Mary Guibert – zu Lebzeiten produzierte er nur ein Studio-Album: „Grace“ – sein Opus Magnum, an dem auch Karl Berger als Arrangeur mitmischte. Aufmerksam machte mich damals Radio4You auf diese vier Oktaven umspannende Stimme. Bis an die Schmerzgrenze treibt er sie im Stück „Grace“, von dem hier nun neben etlichen Coverversionen eine akustische Version vorliegt. Die Coverversionen sind im einzelnen:

Die akustischen Aufnahmen beziehen ihren Reiz vor allem aus der überwältigenden Stimme Jeff Buckleys. Ob er nun ganz weich klingt im Selbstgespräch von „Dream of You and I“ oder experimentell und extrovertiert auf Led Zeppelins „The Night Flight“ – oder wenn man den Song „Grace“ nochmal vergleicht – einmal hier in der akustischen, einmal dort auf der Aufnahme im Arrangement mit Karl Berger Grace – es bleibt die unverwechselbare Jeff Buckley Stimme – die, wenn man sich noch auf sein Gitarrenspiel einlässt, deutlich macht, warum Coldplay, Radiohead oder Courtney Love ihn als Inspirationsquelle bezeichnen. (Ich höre auch Melody Gardot) – Um den Kreis nach hinten hin zu schließen: Buckleys Inspirationsquellen heißen Robert Plant, Morrissey von The Smiths, Alex Chilton, Freddie Mercury, Nina Simone, Judy Garland. Eine mehr als anspruchsvolle Auswahl.

Diese rein Akustische Aufnahme nun vor dem Hintergrund des orchestralen und wuchtigen „Grace“ eine wunderbare Vorab-Position. Das sind Demo-Aufnahmen, noch vor der Veröffentlichung von Grace. Man kommt aus dem Hören-Staunen nicht heraus.

Ein schönes und absolut empfehlenswertes Denkmal eines der großen Stimmen des 20igsten Jahrhunderts. Wen es bei „Calling You“ nicht schüttelt –

 

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