Mads La Cour – Hule

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Cover Design von Per Kirkeby

Jenseits der planierten Straßen:

 

Gestützt wird die Aufnahme durch drei Säulen Immer schön #1 #2 #3. Die Melodien ruhig, zurückhaltend, prima aufeinander abgestimmt in Komposition und Timing. Allein diese Säulen geben der Aufnahme einen schönen Rahmen, es scheint zu allen drei Teilen die Welt in einer fast idyllischen Ruhe und Abgestimmtheit. Ein ruhiges aufeinander Warten, miteinander Sprechen, sich einander Zuwenden. Sehr feine Melodieführung bei guter Komposition.

Allein in dieser Spannung kündigt sich so einiger Stoff zu einer etwas anderen Auseinandersetzung an: In „Terminus“ bereiten Klarinette, Bass und Schlagwirbel dem freien Spiel des Flügelhorns noch einen Teppich, der sich zugunsten der Klarinette umkehrt und zu einem famosen Solo von Lars Greve ansetzt. In diesem Solo kündet sich schon das Eigenständige der Erzählfiguren an. Ekstatisch fast und nicht ohne wehmütigen Unterton. In Støjland Møgland scheint es dann endgültig vorbei mit der Harmonie. Das geht in ein aufgelöstes Intermezzo über, der aufgewühlten Atonalität, allein wie Tom Christiansen am Schlagzeug die beiden Protagonisten durch das wilde Aufeinanderprallen führt. Stand hier etwa das unkoordinierte Palaver der dänischen Ministerin für Ausländer, Integration und Wohnen Pate? Sie beruhigen sich schließlich wieder im titelgebenden „Hule“, Bass und Schlagzeug liefern einen voranschreitenden Beat, da können sich Horn und Klarinette mal ganz locker geben. Scheinen den Stress aus „Mogland“ abzuschütteln mit klarer Wegführung. In „Gammelton“ wird es fast schon konventionell – eine Hymne an die Eltern, wie es auf der Website des Labels heißt. Tradiertes sucht den Ausbruchsversuch. Das hat so viel Wechsel der Tempi, du kannst es erahnen: es muss einiges ausgehalten werden in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung. Das belegen auch „Impro“ und „Bolgebop“ als Variation über ein eigentlich leichtes Thema. Die inzwischen fragile Ordnung ist längst einem eigenen Willen gewichen. Dass all das im Widerspruch steht zu Immer schön #1 #2 und #3 lässt sich nach intensivem Hören dieser Aufnahme bestens interpretieren. Beispielsweise als Ironie auf die Idylle.

Eine alles in allem anregende wie abwechslungsreiche Aufnahme, die ihre Wirkung bei mehrfachem Hören immer mehr entfaltet. Mads La Cour’s Almugi entwickelt sich, betrachtet über die Aufnahmen aus dem Jahr 2015, vom talentierten Musiker und Komponisten zum interessanten Geschichtenerzähler mit persönlichen und gesellschaften Anliegen. Oder wie es auf der Website des Labels heißt: Das ist wie ein „beseeltes Miteinander und bedachtes Voranschreiten jenseits der planierten Straßen.

 

Rückblick auf die Aufnahmen aus 2015:

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Mads la Cour (cornet, flugelhorn), Lars Greve (clarinet, bass clarinet, tenor saxophone), Kasper Tom Christiansen (drums), Mariusz Praśniewski (double bass); Cover Design von Per Kirkeby (hier eine Sendung im BR bis Jul 2019 inline) „Das hier ist ja kein Bild, das ist noch in Arbeit. Das wird erst ein Bild, wenn es fertig ist.“

Mads La Cour Langelund, geb. 1980 in Svendborg/Dänemark, mit 26 Mitglied der Danish Radio Big Band. 2007 Jazzmusiker des Jahres von Fünen. Seit Jahren begleitet von Tom Christiansen am Schlagzeug, Timing und Zusammenwirken belegen die Aufnahmereihe Mads La Cour’s Almugi von 2015. Hierzu Allaboutjazz:

Mads la Cour has crafted a highly personal musical world that encompasses the serene, reserved Nordic jazz but corresponds with other musical worlds such as close and far folk traditions and contemporary music. The quartet plays as a band that has been playing together for years, creating an intimate, free tonal language within concise segments of collective improvisations“

Album bei Qobuz:  Mads La Cour Almugi
Spotify:

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